Tag 85

Ende

Als ich mich einmal umschaue in mir, ist er plötzlich da, dieser Gedanke. Beiläufig. Unspektakulär. Als würde er sich wundern, dass ich mich wundere. „Kümmer Dich nicht weiter um mich“, sagt er.

Und dann, genau so plötzlich und genau so beiläufig und unspektakulär, ist er plötzlich Gewissheit:
Ich werde das Tagebuch des coronagenenen Lebens-Wandels jetzt beenden. So ganz genau weiß ich nicht, warum. Ich könnte, wie schick!, Zahlensymbolik bemühen. Am 1. Tag der 13. Woche und nach 12 vollen Wochen: Das Ende. Das wäre charmant. Aber träfe es nicht.

Es sind wohl am ehesten diese beiden Gründe:
In den letzten Tagen habe ich mich häufiger selber dabei erwischt, wie ich Erlebnisse und Ereignisse darauf hin gescannt habe, ob sie für einen Blog-Beitrag geeignet wären. Das behagt mir nicht. Schon gar nicht würde mir behagen, wenn ich gar anfinge, Erlebnisse herbeizuführen, um dann über sie schreiben zu können.
Und: Ich möchte wieder anders schreiben. Ich möchte wieder, dass ein Thema mich aussucht. Nicht umgekehrt. Dass es mich wählt und mich verführt. Mich Worte suchen lässt und wieder verwerfen. Dass es mich neckt, in dem es für eine Weile verschwindet, um urplötzlich wieder aufzutauchen mit drängender Energie. Oder ganz zu verschwinden. Solches Schreiben braucht mehr Zeit. Die möchte ich mir wieder nehmen.

Auch Corona hat solche Themen geschickt. Bestimmt wird das eine oder andere mich locken. Dann lass ich mich vielleicht verführen.

Ich durfte in den letzten Wochen erfahren, dass es gar nicht wenige Menschen gab, denen es ein Vergnügen war, meine täglichen Notizen zu lesen. Das wiederum war mir ein Vergnügen. Ich danke all denen sehr.
Und ich hoffe, dass mein Blog sie weiter interessiert, auch wenn die Abstände zwischen den Veröffentlichungen wieder länger werden.

Meine Abonnenten werden schon bald wieder häufiger die Nachricht bekommen, dass es etwas Neues gibt. Dann werden es ältere Beiträge sein, die ich nach und nach aus dem alten Blog in diesen neuen wieder einpflege. Vielleicht entstehen da schöne Gelegenheiten, ältere Sachen neu oder wieder zu entdecken. Auch darüber würde ich mich freuen.