Trotzkopfdumm

Martin Gehrigk

Zwischenspiel 23 Christel wird beerdigt

Seifenblasen stick, blasender Mund

Christine „Christel“ Gehrigk

geb. Püschel
* 18. Mai 1939   † 22. Februar 2026

Die dicht stehenden Kiefern ließen gerade so viel tiefes Himmelsblau und gerade so viele sanft fließende Sonnenstrahlen durch ihre Kronen zur Erde gleiten, dass man denken konnte: „Ein schöner Tag:“, obwohl es ein schöner Tag gar nicht sein konnte, denn wir trugen sie zu Grabe.

Ihre jüngsten Urenkel – ein Mädchen und zwei Jungen – hatten gerade an drei weichen Schnüren mit einer andächtigen Behutsamkeit, wie sie gesteigert kaum noch vorstellbar wäre, die Urne ihrer Uroma in die Grube dicht neben dem Baum hinabsinken lassen. Sehr zögerlich richteten sie sich auf. Der Pfarrer stimmte ein letztes „Vater unser“ an. Abschließend wünschte er uns und Christel Gottes Segen.

Wir alle standen still. Ich weiß nicht, ob wir einfach den andächtigen Ernst nicht stören wollten oder ob niemand sich traute, den Anfang zu machen. Oder beides. Also machte ich ihn. Ich wandte mich um. Dem Weg zu. Und lief langsam los. Plötzlich nahm ich über mir ein Geräusch wahr. Ich blieb stehen.  Schaute hoch. Dort oben hatte sich ein Schwarm Dohlen aus den Ästen gelöst und drehte laut schnatternd ein paar Runden. Als wäre es schon Abend.

Ich wollte denken, sie würden uns zurufen: „Nun los. Geht schon. Raus aus dem Wald. Hinein in euer Leben. Keine Sorge. Wir bleiben hier. Wir kümmern uns.“

Dann wandte ich mich nach hinten und sah, dass auch die Trauergemeinde sich in Bewegung gesetzt hatte.

 

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